Archiv des Autors: Andreas Frings

Kulturbunt durch das Jahr 2019

Öffentliche Veranstaltungen von Kulturbuntes Bodenheim 2019. Auch 2019 wird für uns ein ereignisreiches Jahr. Wir haben viel vor. Da wir nicht wissen, was wir unterdessen noch veröffentlichen, stehen unsere Termine auch rechts im Kalender. Alternativ schauen Sie bitte hier nach: https://kulturbuntes-bodenheim.de/2019/04/kulturbunt-durch-das-jahr/. Wir freuen uns, Sie und Euch dort begrüßen zu dürfen!

Kulturbunt durch das Jahr 2019

Öffentliche Veranstaltungen des Kulturbunten Bodenheim 2019

13.04.2019 „Menuett für Muttchen“

Ein Puppenspiel für Erwachsene

Kulturkeller im Dolles – 20:00 Uhr

Nach den Puppenspielen “Land in Sicht” (2016) und “Gespenster sind auch Menschen” (2018) bringt nun die “Bunte Bühne Bodenheim” von Kulturbunt ihre dritte Produktion “Menuett für Muttchen” – wieder ein Stück für Erwachsene – zur Aufführung. Unsere neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger spielen zusammen mit den Kulturbunten eine Gaunerkomödie mit viel Spott und Ironie Die Geschichte kurz erzählt: Vier Ganoven kommen nach dem Ausbruch aus dem Knast und einem Banküberfall bei Frau Lohmann „Muttchen“ unter. Dann überschlagen sich die Ereignisse, denn Muttchen ist keineswegs so naiv, wie es den Banditen Dr. Demuth, Major Brückner, Louis und Pico lieb gewesen wäre. Mehr wird aber nicht verraten! In der Pause gibt es ein internationales Buffett, und dann spielt Eco Latino südamerikanische Folklore.

22.05.2019 „Return to Afghanistan“

Filmabend mit anschl. Podiumsdiskussion

Kulturkeller im Dolles – 18.30 Uhr

„Return to Afghanistan – Die vielen Gesichter von Flucht und Migration“. Dokumentarfilm des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul. Anschließend Publikumsdiskussion mit Vertretern der Friedrich-Ebert-Stiftung, ProAsyl u.a. Der Film begleitet sieben Geflüchtete, die in ihr von Konflikten und Gewalt geprägtes Heimatland zurückkehren. Mit welchen Realitäten sehen sie sich konfrontiert, zurück in dem Land, das sie für ein besseres Leben verließen? Was sind ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft?

29.06.2019 „Sommerfest“

Schrebergarten Laubenheimer Str., ab 18 Uhr

Herzlich Willkommen in unserem Schrebergarten an der Laubenheimer Straße gegenüber Hausnummer 8! Im dritten Sommer wird diese Parzelle gemeinsam mit Geflüchteten bewirtschaftet und bietet regelmäßig ein gemütliches Ambiente für entspannte Abende zusammen. Am 29.06. erwarten Sie ein leckeres internationales Buffett, vielleicht erstes Gemüse aus eigenem Anbau, Musik, zwanglose Gespräche und ein paar neue Gesichter.

11.08.2019 „Open Air-Konzert“

Isabel Eichenlaub und Gemma

Im Innenhof im Dolles – 17.00 Uhr

Isabel Eichenlaub und ihre international besetzte Gruppe werden Sie für zwei Stunden mit ganz besonderer World Music begeistern und mental dem Rheinhessischen entrücken. Für den Körper gibt es internationales Fingerfood und Bratwürste.

15.09.2019 „Unser Verkaufsstand“

beim SPD-Flohmarkt – 13.00 Uhr

Ein Kulturbunter Stand verkauft selbstgebackene Muffins.

31.10.2019 „Gratwanderungen“

Musikalische Lesung und Bilder mit Prof. Dr. med. Dipl. Soz.päd. Gerhard Trabert, Anita Zimmermann (Gesang) und Matthias Reinig (Piano). Kulturkeller im Dolles – 19.00 Uhr

In Deutschland als „Arzt der Armen“ bekannt, engagiert sich Prof. Trabert seit mehr als 25 Jahren auch rund um den Globus bei Hilfseinsätzen in Krisenregionen. In Wort und Bild berichtet er von seinen Gratwanderungen in anderen Kulturen – und warum er es als Geschenk empfindet, dass er in der Beziehung zu Menschen in Notsituationen auch stets dem innersten Selbst begegnet.

30.11. und 01.12. „Verkaufsstand“

Unser Verkaufsstand, Zwerchgasse 14

beim Bodenheimer Nikolausmarkt Samstag ab 15 Uhr, Sonntag ab 14 Uhr

Wie in jedem Jahr verkaufen wir am Kulturbunten Stand selbstgebackene Weihnachtsplätzchen und Handgefertigtes der Geflüchteten, Kunsthandwerk und Vintage-Krempel. Kommen, schauen und kaufen Sie! Tipp: Im selben Hof gleich hinter unserem Stand können Sie sich beim Stand der Seurre-Partnerschaft mit heißem Cidre und Galettes stärken.

4 Jahre Kulturbuntes Bodenheim – einige Worte zum “Geburtstag”

An einem grauen Sonntagmorgen Anfang 2019 hielt Pfarrer Thomas Schwöbel in Nackenheim eine Predigt zur Bootsfahrt von Jesus und seinen Jüngern auf dem See Genezareth. Ein Aspekt aus dieser Predigt zielt auf die Situation der Geflüchteten in Europa ab und berührt uns als Ehrenamtliche in der Integrationsarbeit. Er knüpft auch an unser Bedürfnis an, sprachfähig gegenüber rechten und rassistischen Angriffen zu sein.

Zur Erinnerung: Das Boot mit Jesus und den Jüngern gerät unerwartet in einen Sturm. Jesus, der erst schläft und geweckt werden muss, gebietet dem Sturm Einhalt, so dass das Boot mit allen Insassen gerettet wird (Matthäus 8, 23-27; Markus 4,35-41; Lukas 8,22-25). Im Folgenden Auszüge aus dem ersten Teil der Predigt:

Es handelt sich also um eine stürmische Geschichte, die hohe Wellen schlägt – bis zu uns heute ins Jahr 2019. Diese Bootsfahrt auf dem See Genezareth beschreibt auch unsere Fahrt durchs Leben, unseren Lebensweg, auf dem es neben der ruhigen See stürmische Zeiten und hohen Seegang gibt. Beschreibt die Angst, die wir haben, beschreibt aber auch das Glück der Rettung.
Dass die Fahrt mit dem Schiff ein gutes Vergleichsbild für unseren Lebensweg ist, zeigt sich in vielen Sprichworten, die aus der Seefahrt kommen und sich auf unser Leben beziehen: Da schlagen die Wellen über uns zusammen, wir sprechen von stürmischen Zeiten und davon, dass wir alle in einem Boot sitzen. Einer wird ausgebootet oder kommt vom Kurs ab. Klippen müssen umschifft werden. Jemand kann mit einer Sache stranden oder umgekehrt fährt in den sicheren Hafen ein. Wir kennen menschliche Wracks, und manche erleiden auf ihrem Lebensweg Schiffbruch. Und einige finden: Das Boot ist voll.

Wenn diese biblische Geschichte hohe Wellen bis zu uns schlägt, was können wir aus ihr herauslesen für uns 2019?

Etwa das: Das Boot gerät nicht in Seenot, weil es zu voll ist. Davon steht nichts im Text, und das sagen wir all denen, die meinen, dass Hilfesuchende aus anderen Ländern und Kontinenten keinen Platz mehr auf unserer MS Deutschland oder MS Europa haben dürften. Unsere Boote geraten dadurch nicht in Seenot, auch nicht das Lebensboot einzelner. Ganz im Unterschied zu den Schlauchbooten im Mittelmeer, die wirklich deshalb in Not geraten, weil sie hoffnungslos überfüllt sind mit Menschen, deren Angst und Not so groß ist, dass sie sich auf diese halsbrecherische Fahrt einlassen. Unsere Boote geraten dagegen in schweren Seegang, wenn ihre Besatzungen den weiten Blick zum Horizont der Nöte und Sorgen der Menschen anderer Länder und Regionen unserer Welt verlieren. Der weite Blick voraus ist in der Seefahrt unerlässlich. Deshalb gab es ja immer Fernrohre an Bord oder heute Radar und GPS. Und wo der weite Blick fehlt und wo die Kurzsichtigkeit von Nationalismus und Abgrenzung den gesellschaftlichen und politischen Kurs angeben, da gerät auch unser Schiff in gefährliche Gewässer. Aber dadurch, dass es zu voll sein soll mit Menschen, die Hilfe suchen, bestimmt nicht. Dadurch geriet weder das Boot damals auf dem See Genezareth noch gerät unser Lebensschiff heute in schwere See.

PM: Kulturbuntes Bodenheim sagt Danke

Mitten in Bodenheim leben Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und voller  Angst, Trauer und Verzweiflung, aber auch voller Hoffnung in unserem Ort angekommen sind. Wir setzen uns dafür ein, dass sie hier einen sicheren Platz finden, Deutsch lernen, arbeiten und in Frieden leben können. Das schaffen wir nicht alleine. Und glücklicherweise sind wir auch nicht alleine. Viele Menschen haben uns auf ganz unterschiedliche Weise unterstützt, in Form von Spenden, tatkräftiger Hilfe, der Vermietung von Wohnungen sowie der Bereitschaft, unseren neuen Mitbürgern Arbeit zu geben und ihnen freundlich und voller Offenheit zu begegnen. Dafür möchten wir uns auch im Namen der Menschen, die wir unterstützen bei Ihnen allen bedanken.

Wir wünschen Ihnen ein friedliches und kulturbuntes Neues Jahr und freuen uns auf viele Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs.

PM: Kulturbuntes Bodenheim berichtet: Leben und Arbeiten in Bodenheim

In Bodenheim leben über 70 Menschen, die aus den vielen kriegsgebeutelten Ländern unserer Welt zu uns geflohen sind.

Sie begegnen uns auf unseren Straßen, wir treffen sie am Bahnhof, beim Einkaufen … und wissen kaum etwas über sie.

Viele leben schon zwei Jahre oder länger hier, manche sind ganz allein, andere mit ihrem Partner oder ihrer Familie in unser Land gekommen. Ihre Heimatländer sind so unterschiedlich wie ihre Lebensgeschichten, ihr Bildungshintergrund oder die Ursachen, die sie zur Flucht gezwungen haben. Die meisten haben Deutsch gelernt und sind im deutschen Alltag angekommen.

Viele der in Bodenheim lebenden Neubürger haben Arbeit, zahlen Steuern und sind unabhängig von deutscher Unterstützung. Nicht wenige arbeiten in Nachtschicht. Dass sie den Schlaf tagsüber nachholen, erweckt manchmal einen falschen Eindruck. Andere bemühen sich händeringend um Arbeit, scheitern aber an bürokratischen Hürden, die eine Bewerbung oft sehr erschweren.

Kulturbuntes Bodenheim ist stolz auf die Zusammenarbeit mit den Bodenheimer Neubürgern, die es möglich macht, dass die Anzahl der Menschen in Arbeit deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt. Hierfür geht ein großer Dank auch an die Betriebe der Region, deren Bereitschaft geflohene Menschen zu beschäftigen, für uns unverzichtbar ist.

Verbandsgemeinde Bodenheim hofft, dass sie weiterhin Bundesmittel für hauptamtliche Helfer für Flüchtlingsarbeit erhält

Die Betreuung geflüchteter Menschen in den Kommunen hat sich eingespielt, auch dank der Hilfe vieler ehrenamtlich Engagierter. Hinzu kommen seit September 2017 hauptamtliche Kräfte, die die Verbandsgemeinde aus Integrationsgeldern des Bundes zumindest bis Ende 2018 beschäftigen kann: die Fallmoderatoren Kathrin Keller und Matthias Karn … mehr unter: https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/vg-bodenheim/vg-bodenheim/verbandsgemeinde-bodenheim-hofft-dass-sie-weiterhin-bundesmittel-fur-hauptamtliche-helfer-fur-fluchtlingsarbeit-erhalt_18941795.

Manpower für Mammutaufgabe

In Lörzweiler ist Volker Abel der Minijobber, der bei der Gemeinde angestellt ist, um die Ehrenamtler zu unterstützen und Flüchtlinge zu beraten. „Die Integration kann gelingen“, sagt er (…). „Aber wir brauchen viel mehr Manpower“ … mehr unter: https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/vg-bodenheim/loerzweiler/manpower-fur-mammutaufgabe-in-lorzweiler-ist-volker-abel-fur-fluchtlinge-und-ehrenamtler-da_18941767.

Angst vor Abschiebung nimmt zu

“Wir haben eine Rausschmeiß-Kultur. In der öffentlichen Diskussion sind die humanitären Gesichtspunkte den Sicherheitsbestrebungen gewichen”, beschreiben Eva-Maria Hartmann und Klaus Weber von der Flüchtlingshilfe Heidesheim-Wackernheim … mehr unter: https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/vg-heidesheim/vg-heidesheim/angst-vor-abschiebung-nimmt-zu_18941477

Menuett für Muttchen – ein Benefiz-Puppentheater

Kulturbuntes Bodenheim ist die Flüchtlingsinitiative der Gemeinde Bodenheim. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, die in Bodenheim lebenden neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu integrieren und das gute Zusammenleben zu fördern.

So wurde die Idee geboren, mit unseren neuen Mitbürgern Theater zu spielen. Und da liegt das Spiel mit Puppen nahe. Alle können mitmachen, als Spieler, als Sprecher oder als Akteure, wenn es gilt, Requisiten zu bedienen. Im Dezember 2016 führte unsere „Bunte Bühne Bodenheim“ ihr erstes Stück für Erwachsene „Land in Sicht“ und im März 2018 das Kinderstück „Gespenster sind auch Menschen“ auf. Mit der Gaunerkomödie „Menuett für Muttchen“ wenden wir uns nun wieder an Jugendliche und Erwachsene.

Menuett für Muttchen: ein Benefiz-Puppenspiel für Erwachsene.

Samstag 13. April 2019, 20 Uhr, Kulturkeller im Dolles. Eintritt: 10 €. Karten im Vorverkauf bei der Bäckerei Siener und im Buchladen Ruthmann. In der Pause gibt es internationale Köstlichkeiten, im Anschluss Musik mit Eco Latino.

Auszug aller Ausländer

(Helmut Wöllenstein)

Es war einmal – etwa drei Tage vor Weihnachten, spätabends. Über den Marktplatz der Stadt kamen ein paar Vermummte gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten auf die Mauer: „Ausländer raus!“ und „Deutschland den Deutschen!“. Steine flogen in das Fenster des türkischen Ladens gegenüber der Kirche. Dann zog die Horde ab. – Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Häusern waren schnell wieder zugezogen. Niemand hatte etwas gesehen.

„Los komm, es reicht, wir gehen!“ – „Wo denkst du hin? Was sollen wir denn da unten im Süden?“ – „Da unten? Das ist immerhin unsere Heimat. Hier wird es nur immer schlimmer. Wir tun das, was da an der Wand steht: Ausländer raus!“

Und tatsächlich, mitten in der Nacht kam Bewegung in die Stadt. Die Türen der Geschäfte sprangen auf: Zuerst kamen die Kakaopäckchen, die Schokoladen und Pralinen in ihren Weihnachtsverpackungen; sie wollten nach Ghana und Westafrika, denn da waren sie zu Hause. Dann der Kaffee – palettenweise, des Deutschen Lieblingsgetränk; Uganda, Kenia und Lateinamerika waren seine Heimat. Ananas und Bananen räumten ihre Kisten, auch die Trauben und Erdbeeren aus Südafrika. Fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf: Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne – die Gewürze in ihrem Inneren zog es nach Indien. Der Dresdner Stollen zögerte; man sah Tränen in seinen Rosinenaugen, als er zugab: „Mischlingen wie mir geht es besonders an den Kragen.“ Mit ihm kam das Lübecker Marzipan und der Nürnberger Lebkuchen – nicht Qualität, nur Herkunft zählte jetzt.

Es war schon in der Morgendämmerung, als die Schnittblumen nach Kolumbien aufbrachen und Pelzmäntel mit Gold und Edelsteinen in Chartermaschinen in alle Welt starteten. Der Verkehr brach an diesem Tag zusammen. Lange Schlangen japanischer Autos, vollgestopft mit Optik und Unterhaltungselektronik kro-chen gen Osten. Am Himmel sah man die Weihnachtsgänse nach Polen fliegen; auf ihrer Bahn gefolgt von feinen Seidenhemden und Teppichen des fernen Asien. Mit Krachen lösten sich die tropischen Hölzer aus den Fensterrahmen und schwirrten ins Amazonasbecken.

Man musste sich vorsehen, um nicht auszurutschen; denn von überall her quoll Öl und Benzin hervor, floss in Rinnsalen und Bächen in Richtung Iran und Saudi Arabien. Aber man hatte ja Vorsorge getroffen. Stolz holten die großen deutschen Automobilfirmen ihre Krisenpläne aus den Schubladen: Der Holzvergaser war ganz neu aufgelegt worden. Wozu ausländisches Öl? Aber die VW` s und BMW` s begannen sich in ihre Einzelteile aufzulösen. Das Aluminium wanderte nach Jamaika, das Kupfer nach Somalia, ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien, der Naturkautschuk aus den Gummimischungen der Reifen nach Zaire. Und die Straßendecke hatte mit ausländischem Asphalt im Verbund vorher auch ein besseres Bild abgegeben als jetzt.

Natürlich verschwand auch ein großer Teil der Schuhe in Richtung Italien, England und Frankreich. Auch die Boutiquen waren um die Kleidungsstücke aus diesen Ländern geräumt und plötzlich war da kaum noch eine modische Auswahl zu finden. Orangen rollten nach Spanien; Datteln und Feigen in den Orient. Weine und Spirituosen zogen sich gleich containerweise in ihre Heimatländer zurück. Viele Restaurants, die wir liebten, waren schlagartig geräumt. Nichts war mehr mit Pizza, mit griechisch, jugoslawisch oder chinesisch essen. Auch Mc Donald’ s war geschlossen. – Nur noch deutsche Küche den Deutschen.

Nie wieder würden die Blumenzwiebeln aus Holland im Frühjahr aus den Böden sprießen und blühen, denn auch die waren der Erde entsprungen und heimwärts gezogen. Feinstes Porzellan aus China verschwand ebenso wie Gemälde vieler berühmter ausländischer Maler aus unseren Museen. Auch Bestseller in den Bücherregalen zuhause, in Bibliotheken und Buchhandlungen waren schlagartig verschwunden. Und in den Musikläden und CD-Sammlungen in den Wohnzimmern fanden sich nur noch ganz wenige Stücke, ausschließlich in Deutsch.

Denn – nur die Herkunft zählte ja schließlich.

Nach drei Tagen war der Spuk vorbei, der Auszug geschafft. Gerade noch rechtzeitig vor dem Weihnachts fest. Nichts Ausländisches war mehr im Land. Aber Tannenbäume gab es noch, Äpfel und Nüsse. Und: „Stille Nacht“ durfte gesungen werden – wenn auch nur mit Sondergenehmigung; das Lied kam immerhin aus Österreich!

Nur eines wollte nicht in das Bild passen: das Kind in der Krippe, sowie Maria und Josef waren geblieben. – Ausgerechnet drei Juden! „Wir bleiben“, hatte Maria gesagt, „denn wenn wir aus diesem Land gehen, wer will ihnen dann noch den Weg zurück zeigen – zurück zur Vernunft und zur Menschlichkeit?“


Wir danken Herrn Wöllenstein für die freundliche Erlaubnis, seinen Text hier einstellen zu dürfen.