Archiv der Kategorie: Allgemeines

Unter der Kategorie „Allgemeines“ finden Sie alles, was sich keiner der anderen Kategorien zuordnen lässt, uns aber dennoch wichtig erscheint: Impulse zum Weiterdenken oder auch nur Hinweise zu offiziellen Stellen, die mit neuen Angeboten Unterstützung leisten.

Menuett für Muttchen – ein großer Erfolg für das Kulturbunte Bodenheim und eine wunderbare Resonanz

Der Puppenspielabend “Menuett für Muttchen” füllte den Kulturkeller im Bürgerhaus Dolles mit sicher mehr als hundertfünfzig Besuchern – ein großartiger Erfolg und sicher auch eine Bestätigung für nunmehr vier Jahre engagierte und konstruktive Arbeit in der Gemeinde.

Hier einige fotografische Eindrücke:

Foto von Kerstin Thieme-Jäger (WiB-Quartiersbüro Wir-in-Bodenheim)

Foto von Kerstin Thieme-Jäger (WiB-Quartiersbüro Wir-in-Bodenheim)

Foto von Kerstin Thieme-Jäger (WiB-Quartiersbüro Wir-in-Bodenheim)

 

Kulturbunt durch das Jahr 2019

Öffentliche Veranstaltungen von Kulturbuntes Bodenheim 2019. Auch 2019 wird für uns ein ereignisreiches Jahr. Wir haben viel vor. Da wir nicht wissen, was wir unterdessen noch veröffentlichen, stehen unsere Termine auch rechts im Kalender. Alternativ schauen Sie bitte hier nach: https://kulturbuntes-bodenheim.de/2019/04/kulturbunt-durch-das-jahr/. Wir freuen uns, Sie und Euch dort begrüßen zu dürfen!

4 Jahre Kulturbuntes Bodenheim – einige Worte zum “Geburtstag”

An einem grauen Sonntagmorgen Anfang 2019 hielt Pfarrer Thomas Schwöbel in Nackenheim eine Predigt zur Bootsfahrt von Jesus und seinen Jüngern auf dem See Genezareth. Ein Aspekt aus dieser Predigt zielt auf die Situation der Geflüchteten in Europa ab und berührt uns als Ehrenamtliche in der Integrationsarbeit. Er knüpft auch an unser Bedürfnis an, sprachfähig gegenüber rechten und rassistischen Angriffen zu sein.

Zur Erinnerung: Das Boot mit Jesus und den Jüngern gerät unerwartet in einen Sturm. Jesus, der erst schläft und geweckt werden muss, gebietet dem Sturm Einhalt, so dass das Boot mit allen Insassen gerettet wird (Matthäus 8, 23-27; Markus 4,35-41; Lukas 8,22-25). Im Folgenden Auszüge aus dem ersten Teil der Predigt:

Es handelt sich also um eine stürmische Geschichte, die hohe Wellen schlägt – bis zu uns heute ins Jahr 2019. Diese Bootsfahrt auf dem See Genezareth beschreibt auch unsere Fahrt durchs Leben, unseren Lebensweg, auf dem es neben der ruhigen See stürmische Zeiten und hohen Seegang gibt. Beschreibt die Angst, die wir haben, beschreibt aber auch das Glück der Rettung.
Dass die Fahrt mit dem Schiff ein gutes Vergleichsbild für unseren Lebensweg ist, zeigt sich in vielen Sprichworten, die aus der Seefahrt kommen und sich auf unser Leben beziehen: Da schlagen die Wellen über uns zusammen, wir sprechen von stürmischen Zeiten und davon, dass wir alle in einem Boot sitzen. Einer wird ausgebootet oder kommt vom Kurs ab. Klippen müssen umschifft werden. Jemand kann mit einer Sache stranden oder umgekehrt fährt in den sicheren Hafen ein. Wir kennen menschliche Wracks, und manche erleiden auf ihrem Lebensweg Schiffbruch. Und einige finden: Das Boot ist voll.

Wenn diese biblische Geschichte hohe Wellen bis zu uns schlägt, was können wir aus ihr herauslesen für uns 2019?

Etwa das: Das Boot gerät nicht in Seenot, weil es zu voll ist. Davon steht nichts im Text, und das sagen wir all denen, die meinen, dass Hilfesuchende aus anderen Ländern und Kontinenten keinen Platz mehr auf unserer MS Deutschland oder MS Europa haben dürften. Unsere Boote geraten dadurch nicht in Seenot, auch nicht das Lebensboot einzelner. Ganz im Unterschied zu den Schlauchbooten im Mittelmeer, die wirklich deshalb in Not geraten, weil sie hoffnungslos überfüllt sind mit Menschen, deren Angst und Not so groß ist, dass sie sich auf diese halsbrecherische Fahrt einlassen. Unsere Boote geraten dagegen in schweren Seegang, wenn ihre Besatzungen den weiten Blick zum Horizont der Nöte und Sorgen der Menschen anderer Länder und Regionen unserer Welt verlieren. Der weite Blick voraus ist in der Seefahrt unerlässlich. Deshalb gab es ja immer Fernrohre an Bord oder heute Radar und GPS. Und wo der weite Blick fehlt und wo die Kurzsichtigkeit von Nationalismus und Abgrenzung den gesellschaftlichen und politischen Kurs angeben, da gerät auch unser Schiff in gefährliche Gewässer. Aber dadurch, dass es zu voll sein soll mit Menschen, die Hilfe suchen, bestimmt nicht. Dadurch geriet weder das Boot damals auf dem See Genezareth noch gerät unser Lebensschiff heute in schwere See.

Auszug aller Ausländer

(Helmut Wöllenstein)

Es war einmal – etwa drei Tage vor Weihnachten, spätabends. Über den Marktplatz der Stadt kamen ein paar Vermummte gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten auf die Mauer: „Ausländer raus!“ und „Deutschland den Deutschen!“. Steine flogen in das Fenster des türkischen Ladens gegenüber der Kirche. Dann zog die Horde ab. – Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Häusern waren schnell wieder zugezogen. Niemand hatte etwas gesehen.

„Los komm, es reicht, wir gehen!“ – „Wo denkst du hin? Was sollen wir denn da unten im Süden?“ – „Da unten? Das ist immerhin unsere Heimat. Hier wird es nur immer schlimmer. Wir tun das, was da an der Wand steht: Ausländer raus!“

Und tatsächlich, mitten in der Nacht kam Bewegung in die Stadt. Die Türen der Geschäfte sprangen auf: Zuerst kamen die Kakaopäckchen, die Schokoladen und Pralinen in ihren Weihnachtsverpackungen; sie wollten nach Ghana und Westafrika, denn da waren sie zu Hause. Dann der Kaffee – palettenweise, des Deutschen Lieblingsgetränk; Uganda, Kenia und Lateinamerika waren seine Heimat. Ananas und Bananen räumten ihre Kisten, auch die Trauben und Erdbeeren aus Südafrika. Fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf: Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne – die Gewürze in ihrem Inneren zog es nach Indien. Der Dresdner Stollen zögerte; man sah Tränen in seinen Rosinenaugen, als er zugab: „Mischlingen wie mir geht es besonders an den Kragen.“ Mit ihm kam das Lübecker Marzipan und der Nürnberger Lebkuchen – nicht Qualität, nur Herkunft zählte jetzt.

Es war schon in der Morgendämmerung, als die Schnittblumen nach Kolumbien aufbrachen und Pelzmäntel mit Gold und Edelsteinen in Chartermaschinen in alle Welt starteten. Der Verkehr brach an diesem Tag zusammen. Lange Schlangen japanischer Autos, vollgestopft mit Optik und Unterhaltungselektronik kro-chen gen Osten. Am Himmel sah man die Weihnachtsgänse nach Polen fliegen; auf ihrer Bahn gefolgt von feinen Seidenhemden und Teppichen des fernen Asien. Mit Krachen lösten sich die tropischen Hölzer aus den Fensterrahmen und schwirrten ins Amazonasbecken.

Man musste sich vorsehen, um nicht auszurutschen; denn von überall her quoll Öl und Benzin hervor, floss in Rinnsalen und Bächen in Richtung Iran und Saudi Arabien. Aber man hatte ja Vorsorge getroffen. Stolz holten die großen deutschen Automobilfirmen ihre Krisenpläne aus den Schubladen: Der Holzvergaser war ganz neu aufgelegt worden. Wozu ausländisches Öl? Aber die VW` s und BMW` s begannen sich in ihre Einzelteile aufzulösen. Das Aluminium wanderte nach Jamaika, das Kupfer nach Somalia, ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien, der Naturkautschuk aus den Gummimischungen der Reifen nach Zaire. Und die Straßendecke hatte mit ausländischem Asphalt im Verbund vorher auch ein besseres Bild abgegeben als jetzt.

Natürlich verschwand auch ein großer Teil der Schuhe in Richtung Italien, England und Frankreich. Auch die Boutiquen waren um die Kleidungsstücke aus diesen Ländern geräumt und plötzlich war da kaum noch eine modische Auswahl zu finden. Orangen rollten nach Spanien; Datteln und Feigen in den Orient. Weine und Spirituosen zogen sich gleich containerweise in ihre Heimatländer zurück. Viele Restaurants, die wir liebten, waren schlagartig geräumt. Nichts war mehr mit Pizza, mit griechisch, jugoslawisch oder chinesisch essen. Auch Mc Donald’ s war geschlossen. – Nur noch deutsche Küche den Deutschen.

Nie wieder würden die Blumenzwiebeln aus Holland im Frühjahr aus den Böden sprießen und blühen, denn auch die waren der Erde entsprungen und heimwärts gezogen. Feinstes Porzellan aus China verschwand ebenso wie Gemälde vieler berühmter ausländischer Maler aus unseren Museen. Auch Bestseller in den Bücherregalen zuhause, in Bibliotheken und Buchhandlungen waren schlagartig verschwunden. Und in den Musikläden und CD-Sammlungen in den Wohnzimmern fanden sich nur noch ganz wenige Stücke, ausschließlich in Deutsch.

Denn – nur die Herkunft zählte ja schließlich.

Nach drei Tagen war der Spuk vorbei, der Auszug geschafft. Gerade noch rechtzeitig vor dem Weihnachts fest. Nichts Ausländisches war mehr im Land. Aber Tannenbäume gab es noch, Äpfel und Nüsse. Und: „Stille Nacht“ durfte gesungen werden – wenn auch nur mit Sondergenehmigung; das Lied kam immerhin aus Österreich!

Nur eines wollte nicht in das Bild passen: das Kind in der Krippe, sowie Maria und Josef waren geblieben. – Ausgerechnet drei Juden! „Wir bleiben“, hatte Maria gesagt, „denn wenn wir aus diesem Land gehen, wer will ihnen dann noch den Weg zurück zeigen – zurück zur Vernunft und zur Menschlichkeit?“


Wir danken Herrn Wöllenstein für die freundliche Erlaubnis, seinen Text hier einstellen zu dürfen.

Kulturbuntes Bodenheim sagt Danke

Mitten in Bodenheim leben Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, die alles hinter sich gelassen haben und voller Angst, Trauer und Verzweiflung, aber auch voller Hoffnung hier angekommen sind. Wir setzen uns dafür ein, dass sie hier einen sicheren Platz finden, Deutsch lernen, arbeiten und in Frieden leben können. Das schaffen wir nicht alleine. Und glücklicherweise sind wir dabei auch nicht alleine. Wir haben von vielen Menschen in ganz unterschiedlicher Weise Unterstützung erfahren, in Form von Spenden, tatkräftiger Hilfe, der Vermietung von Wohnungen, der Bereitschaft, unseren neuen Mitbürgern Arbeit zu geben, ihnen freundlich und voller Offenheit zu begegnen. Dafür möchten wir uns auch im Namen der Menschen, die wir unterstützen, bei Ihnen allen bedanken. Wir wünschen Ihnen ein friedliches und kulturbuntes Neues Jahr und freuen uns auf viele Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs.

Kulturbunter Nikolausstand

Wie schon 2015 und 2016 haben unsere neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger zusammen mit den Kulturbunten auch in diesem Jahr die Vorbereitungen für den Nikolausmarkt getroffen.

Im Haus der Vereine wurde mit viel Freude gebastelt, gebacken und gestrickt. Unter Anleitung von Katja entstanden Nistkästen für Wildbienen, Christbaumanhänger aus Korken und knorrige kleine Weinhnachtsbäume. Mit tatkräftiger Unterstützung von Anette und Rita wurden Kokosmakronen, Vanillekipferl und bunte Plätzchen geformt. Selbstgetrickte Mützen, Schals, Pullover und Decken vervollständigten das Angebot. Alles Back- und Bastelwerk gab es gegen Spende; so kamen 660 € zusammen – fast zwei Sprachkurse! Ein schöner Erfolg!

Fastnachtliches Nachtcafé am 22. Februar

Das Nachtcafé findet künftig einmal im Monat statt. Nächster Termin ist am Mittwoch, 22. Februar. Ab 19 Uhr öffnet dann das Haus der Vereine (Laubenheimer Straße 18) zu einem fastnachtlichen Nachtcafé. Es gibt Getränke und kleine Leckereien. Mitbringsel fürs Buffet und Kostüme sind willkommen.

Wir über uns

Flüchtlingen ohne bürokratische Hürden helfen, den kulturellen Austausch und das gute Zusammenleben fördern – das ist das Ziel von Kulturbuntes Bodenheim. Ehrenamtliche organisieren Kleidung, Fahrräder und Deutschkurse, begleiten Asylsuchende zu Behörden und Ärzten und versuchen, Wohnungen und Arbeit zu vermitteln. Sie haben auch Interesse, unsere neuen Nachbarn zu unterstützen? Sie sind herzlich willkommen beim

  • Mittwochmittagstreff – jeden Mittwoch von 12 bis 15 Uhr

Wenn nicht anders angegeben, finden alle Veranstaltungen im Haus der Vereine, Laubenheimer Straße 18, statt. Sie können sich auch gerne mit Ihren Fragen, Vorschlägen und Angeboten per E-Mail an uns wenden.