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Presseerklärung: Kulturbuntes Bodenheim zu „Keine Einigung über Sicheren Hafen“ im VG-Rat am 19.09.2019

Unlängst sensibilisierte die Irrfahrt der mutigen Kapitänin Carola Rackete eine breite Öffentlichkeit. Zahlreiche Städte und Kreise haben sich der Initiative Seebrücke angeschlossen, um in Seenot geratenen Menschen eine Landeerlaubnis zu erteilen und die Kriminalisierung der Seenotrettung zu verurteilen, so auch der Kreistag Mainz- Bingen. Am 19. September hatte sich der Verbandsgemeinderat Bodenheim zwei Anträge auf die Tagesordnung gesetzt, mit denen die VG zum Sicheren Hafen erklärt worden wäre. Vier der fünf Fraktionen standen hinter den Anträgen. Die Grünen-Fraktion zog ihren Antrag sogar zurück und stellte sich hinter den Antrag von CDU, FWG und FDP. Dennoch wurde der Antrag zunächst in den Ausschuss verwiesen.

Kulturbuntes Bodenheim erwartet, dass der Antrag nach der Beratung im Ausschuss eine klare Mehrheit findet. Denn 12000 offizielle Tote im Mittelmeer, der gefährlichsten Fluchtroute der Welt gab es schon in den vergangenen vier Jahren, die Zahlen steigen.
Die Verbandsgemeinde sollte sich als Landungsbrücke für die zivile Seenotrettung positionieren und sich gegen die Kriminalisierung aussprechen. In der nicht nachvollziehbaren Vertagung in den Ausschuss liegt hoffentlich die Chance, Gesprächsfäden aufzunehmen und die Unterstützung der VG bei der Integration der Neuzugewanderten wertzuschätzen. Gleichwohl gilt es, den Blick auf weltweite humanitäre Verpflichtungen zu richten und eine gemeinsame Linie zu entwickeln. Denn es geht um weit mehr als nur um die Ausschiffung von Bootsflüchtlingen.

Treten wir gemeinsam ein für eine europäische Initiative, ein den Grundwerten verpflichtetes Europa – ein Europa, das das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit gewährt, den Schutzsuchenden faire Asylverfahren ermöglicht und nicht länger Warlords in Libyen finanziert. Fordern wir von der EU den unverzüglichen (Wieder-)Aufbau eines Seenotrettungsdienstes, die Schließung von Hotspots und Transitzentren an den Außengrenzen und die solidarische Verteilung der Geflüchteten in den kooperierenden Staaten.

Kulturbuntes Bodenheim lädt alle Ratsmitglieder herzlich zur musikalischen Lesung  „Gratwanderungen“ am 31.10.2019 um 19:00 Uhr in den Kulturkeller im Dolles ein. Der Mainzer Arzt Gerhard Trabert  berichtet über seine Hilfseinsätze rund um den Globus, unter anderem während der Seenotrettung.

Für den Kulturbunten Verstand

Doris Groß- Erlenbach, Thea Haub, Elisabeth Henn, Dietmar Jennewein, Annette Peuchert, Norbert Stöckle, Manuela Struck

21.09.2019

PM: Kulturbuntes Bodenheim sagt Danke

Mitten in Bodenheim leben Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und voller  Angst, Trauer und Verzweiflung, aber auch voller Hoffnung in unserem Ort angekommen sind. Wir setzen uns dafür ein, dass sie hier einen sicheren Platz finden, Deutsch lernen, arbeiten und in Frieden leben können. Das schaffen wir nicht alleine. Und glücklicherweise sind wir auch nicht alleine. Viele Menschen haben uns auf ganz unterschiedliche Weise unterstützt, in Form von Spenden, tatkräftiger Hilfe, der Vermietung von Wohnungen sowie der Bereitschaft, unseren neuen Mitbürgern Arbeit zu geben und ihnen freundlich und voller Offenheit zu begegnen. Dafür möchten wir uns auch im Namen der Menschen, die wir unterstützen bei Ihnen allen bedanken.

Wir wünschen Ihnen ein friedliches und kulturbuntes Neues Jahr und freuen uns auf viele Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs.

PM: Kulturbuntes Bodenheim berichtet: Leben und Arbeiten in Bodenheim

In Bodenheim leben über 70 Menschen, die aus den vielen kriegsgebeutelten Ländern unserer Welt zu uns geflohen sind.

Sie begegnen uns auf unseren Straßen, wir treffen sie am Bahnhof, beim Einkaufen … und wissen kaum etwas über sie.

Viele leben schon zwei Jahre oder länger hier, manche sind ganz allein, andere mit ihrem Partner oder ihrer Familie in unser Land gekommen. Ihre Heimatländer sind so unterschiedlich wie ihre Lebensgeschichten, ihr Bildungshintergrund oder die Ursachen, die sie zur Flucht gezwungen haben. Die meisten haben Deutsch gelernt und sind im deutschen Alltag angekommen.

Viele der in Bodenheim lebenden Neubürger haben Arbeit, zahlen Steuern und sind unabhängig von deutscher Unterstützung. Nicht wenige arbeiten in Nachtschicht. Dass sie den Schlaf tagsüber nachholen, erweckt manchmal einen falschen Eindruck. Andere bemühen sich händeringend um Arbeit, scheitern aber an bürokratischen Hürden, die eine Bewerbung oft sehr erschweren.

Kulturbuntes Bodenheim ist stolz auf die Zusammenarbeit mit den Bodenheimer Neubürgern, die es möglich macht, dass die Anzahl der Menschen in Arbeit deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt. Hierfür geht ein großer Dank auch an die Betriebe der Region, deren Bereitschaft geflohene Menschen zu beschäftigen, für uns unverzichtbar ist.